4.5. Immer ein Schritt voraus

In
Georginas Wohnung
„Da die Eltern Mitch River
verdächtigt hatten, rückten sie das Geld nicht raus und
verklagten ihren eigenen Sohn. Georgina drehte völlig durch,
der Hass auf die Eltern wuchs und mit ihr der Dämon Gillo,
also ich. Als der Junge sich irgendwie aus den Fesseln
befreien konnte, und aus der alten Fabrikhalle rannte,
tauchte zum Glück Georgina auf und hielt ihm auf. Dabei
verletzte er sich leicht und während Mitchs zukünftige Frau
ihn wieder in den Keller brachte, roch ich (der Dämon) den
Duft seines Körpers und sein Blut. Ich konnte einfach nicht
widerstehen und übernahm die Kontrolle über Georginas
Körper…"
Der Dämon überwältigte Tyler und warf ihn zu Boden…
„Kaum in der Wohnung zurückgekehrt, bist du aufgetaucht. Ich hatte schon Angst, dass du den Dämon in Georgina entlarvt hattest. Ich als Dämon konnte gleich dein wahres ich erkennen. Zum Glück warst du noch nicht so weit und hast mir alles abgekauft… Ich musste mir was überlegen, um die Spuren die zu mir führten, verdeckt blieben. Also rief ich kurz nach deinem Besuch, Mitch an und offenbarte ihm das Versteck des kleinen Bruders. Gleichzeitig alarmierte ich die Polizei, die den zukünftigen Mann von Georgina überführen sollte. Somit blieb mir etwas Zeit um mir was für dich auszudenken. Ich wusste, dass du früher oder später auf mein kleines Geheimnis kommen würdest, deshalb kam Ethan wie gerufen. Als er herausgefunden hatte, dass ich die kriminelle war, suchte er mich auf, aber Ich überwältigte ihn und sperrte ihn in mein Zimmer ein, dann musste ich nur noch warten bis du aufkreuzt..
Tja und du dachtest wirklich, dass du ein intelligentes Wesen wie mich austricksen könntest. Wie naiv von dir. Denn wie sich jetzt herausstellt habe ich wohl eindeutig die Besseren Karten, da ich dir immer ein paar Schritte voraus bin. Ich bin echt enttäuscht von dir, da ich gedacht habe, dass du etwas Cleverer wärst. Schließlich bist du doch der Wunderknabe, der die Menschen vor uns Dämonen beschützen soll. Du bist nämlich der Krieger, vor dem alle Dämonen Respekt und Angst haben, aber momentan sehe ich nur ein Amateur, der seine Berufung nicht gewachsen ist. Also wenn du nicht mal gegen mich ankommst, und ich sag dir, ich bin noch eine der netteren Sorte, dann sehe ich keine Zukunft für dich...
Der Gillo packte seinen Hals und erwürgte ihn mit dem Ziel dem Anwalt das Leben zu nehmen. Tyler, der am ganzen Körper zappelte und versuchte, diese Kreatur von seinem Körper zu stoßen, merkte aber wie langsam die Luft immer dünner wurde. Er verdrehte seine Augen, da sich im Kopf alles ansammelte und drehte...
Oops, Verzeihung, dein Leben endet ja schon heute, da ich diejenige bin, die dich töten wird. Mister Tyler Carrendoor, ich fühle mich geehrt dich nun töten zu dürfen. Ich werde ein paar Krokodilstränen vergießen, da du doch eigentlich ein ziemlich süßes Kerlchen bist…“
Tyler hörte auf einmal ein dumpfer Schlag, worauf der Händedruck an seinem Hals schwächer wurde und der Gillo unmächtig auf Tyler sackte. Tyler öffnete sein rechtes Auge und erblickte Ethan: „Schluss mit deinen Memoiren, für heute hast du echt zu viel gelabert!“ Während der Gillo sich nur auf Tyler konzentrierte, merkte sie nicht, wie Ethan langsam wieder zu sich kam und sich langsam entfesseln konnte. Als Polizist war das Pflicht, dass man verschiedene Entfesslungsarten beherrschte.
Nach Luft schnappend stützte sich der Anwalt mit seinem rechten Unterarm und drückte angewidert den Gillo von sich. Ethan reichte seinem Freund die Hand und half ihm dabei aufzustehen. „So und nun bist du mir eine Erklärung schuldig!“ Der Ausdruck, der im Gesicht von Tyler zu sehen war, sagte mehr als tausend Worte - Totale Ratlosigkeit. Hatte der Polizist etwa das ganze Gespräch mitbekommen und somit die Wahrheit über Dämonen und ihn hören können? Sprachlos begriff der Anwalt, dass er Ethan nicht mehr anlügen konnte. Doch gerade als er sein Mund aufmachte, um ihn die ganze Wahrheit zu erzählen, erschien vor den Beiden ein Licht und Ethan konnte mit eigenen Augen die Moiren sehen. „Oh oh, falscher Zeitpunkt“, flüsterte Atropos und stupste Klothos an, die den Polizisten mit offenem Mund anstarrte.

Tyler verdrehte seine Augen und bewegte seine Lippen zu einem „aber hallo! Eindeutig“, und giftete die drei Schicksalsgöttinnen an. Der Polizist musste erst mehrmals hintereinander Blinzeln, danach gaffte er fassungslos Tyler an und schwankte sein Gesicht anschließend wieder zu den Moiren, „Ok… Du bist mir zwei Erklärungen schuldig, Mister Carrendoor! Wer sind diese Frauen?“
Ehe Tyler anfangen konnte, Ethan nur ansatzweise alles zu Beichten, unterbrach ihn Lachesis, die mit ihren Händen fuchtelte und somit andeuten wollte, dass es für Erklärungen momentan unangebracht war, da sie nun einen kleinen Jungen vor dem schwarzen Mann retten und die Kreatur von dieser Welt verbannen mussten.
Stirnrunzelnd und mit einem leicht offenen Mund sah Ethan seinen Besten Freund an und es sah so aus, als würde der Polizist telepatisch mit Tyler kommunizieren. Tyler nickte und fing an zu lachen und zeigte seinen Zeigefinger auf Ethans Gesicht „Wow, ich glaub ich sah genauso bescheuert aus wie du, als ich zum ersten Mal die Schicksalsgöttinnen gesehen habe und ja, anscheinend gibt es den schwarzen Mann wirklich.“ Seine Bemerkung zu Ethan war zwar unnötig, aber trotzdem fing der Polizist an zu schmunzeln. Atropos stoppte das Gespräch und meinte nur zu Tyler beiläufig, dass sein Blick noch komischer war, als der seines Freundes. Ethan lachte kurz auf und konzentrierte sich wieder auf den ernst der Lage.
„Ok was müssen wir nun tun?“, fragte der Polizist die Moiren und war bereit zu helfen. Die Schicksalsgöttinnen waren äußerst erstaunt über Ethans Einstellung und blindes Vertrauen ihnen gegenüber. Auch Tyler war überrascht, da seinen Freund sich wohl schneller an solche übernatürlichen Dinge gewöhnen konnte als er. „Tyler da kannst du dir mal eine Scheibe davon abschneiden, aber spaß bei Seite wir müssen den Dämon aus Georginas Körper vertreiben, um mit dem schwarzen Mann einen Tausch vorzuschlagen. Ihre Seele gegen die Seele des kleinen Jungen.. Bevor ihr beide wieder fragt... Es ist ein Pakt zwischen Gut und Böse. Diejenigen, die an einem natürlichen Tod (bei denen es vorbestimmt war) sterben, nehmen wir mit und die Menschen, die von einem Dämon getötet werden, sucht der Sensenmann auf. Ethan, kannst du irgendwie den Dolch aus dem Revier hier her holen, da wir so den Dämon bezwingen können?“
Der Polizist nickte und eilte aus der Wohnung. Als er fort war meinte Klotho zu ihren Schwestern, dass Ethan ihrer Meinung nach geeigneter für den Job wäre und klopfte auf Tylers Schulter, um zu signalisieren, dass die Äußerung ein kleiner Scherz war, weil Tyler ihr gleich danach einen düsteren Blick zu warf. Sie fesselten Georgina an einen Stuhl, so dass sie nichts machen konnte, wenn sie wieder aufwachte. Während sie auf Ethan warteten nutzte Tyler die Gelegenheit um einige Unklarheiten klarzustellen. Er wollte wissen, wieso sie ihn schon nicht früher geholfen hatten und andauernd einen merkwürdigen jungen Mann zu ihm geschickt hatten. Außerdem wollte er wissen ob sein Traum in den die Graien die in Besitz der Körper von Carmen, Rachel und Sophie waren und später ihre Schwester Medusa ins Leben gerufen hatten, echt war. Seine letzte Frage war noch, ob die drei dafür gesorgt hatten, dass Ava sich von ihm getrennt hatte.
Lachesis schaute ihn fragend an. „Wir haben dir niemand geschickt, merkwürdig. Wir kennen diesen jungen Mann nicht. Weißt du wie er heißt? Merkwürdig ist auch, dass wir von den Graien und Medusa nichts wissen. Fakt ist aber, dass Carmen, Rachel und Sophie in naher Zukunft eine optische Veränderung haben werden, aber nicht durch dämonische Kräfte. Echt komisch… Und wir können nichts für die Trennung. Eigentlich war es vorbestimmt, dass ihr beide demnächst heiratet.. Wir haben uns selbst gewundert, dass alles auf einmal anders kam. Da hat irgendjemand seine Finger im Spiel. Und Tyler, auch Moiren haben viel zu tun, deshalb können wir auch nicht immer 24-Stunden für dich da sein...“

Die Antworten von ihr brachten Tyler leider nicht weiter. Er verdrehte seine Augen und blickte zu Georgina rüber, die langsam zu sich kam. Knurrend versuchte sie sich zu befreien und giftete die vier an. Sie senkte ihren Kopf und lachte in sich hinein. Sie versicherte ihnen, dass durch ihren Tod nur ein Dämon von dieser Welt gehen würde, aber hunderte in den verschiedensten Menschen schlummern würden und nur darauf warteten aufzuwachen um ihre teuflische Mission fortzusetzen. Keiner von den Guten könnte was dagegen tun, da sie in der Unterzahl sind. Wütend formte Klothos ihre rechte Hand zu einer Faust und wollte gerade zuschlagen, als Tyler sie davon abhielt, indem er ihre Hand packte.
„Sie will dich nur provozieren, lass dich nicht darauf ein“, beruhigte der Anwalt die Göttin. Dann grinste sie ihn verständnisvoll an und meinte zu ihm, dass sie das eh nicht getan hätte. Ethan kam in die Wohnung gestürmt und zeigte den anderen den Dolch. Er übergab es Klotho, die den Dolch Tyler weiterreichte. Verdutzt kniff er seine Augen zusammen, „Ich soll das tun? Warum macht ihr das nicht... Das war ein Scherz... Wohin?“. Atropos schmunzelte und erklärte ihm, dass er den Dolch mitten in Gillos Herz stechen musste. Auf seine Frage, ob dann nicht auch Georgina sterben würde, schüttelte sie den Kopf.
Tyler holte tief Luft, „Gott stehe mir bei“, flüsterte er leicht verunsichert und rammte die vor Schmerz schreienden Dämonin den Dolch in die Brust. Daraufhin zog Lachesis den Dolch wieder aus ihrem Körper und Klotho rief währenddessen nach dem Sensenmann. Dieser tauchte in der nächsten Sekunde mit dem kleinen Jungen auf, wobei Tyler nur Matt sehen konnte und Ethan dagegen keinen von beiden. Der Polizist konnte sich nur vorstellen, was sich gerade abspielte. Der schwarze Mann zog aus dem Dolch den Dämon und verschwand wieder im Nichts und ließ stattdessen den Kleinen bei den Moiren.
Matt hampelte freudig zu Tyler und umarmte ihn, „Danke für alles“ Irritiert strich er ihn über den Kopf. Ein lächeln zog sich über Tylers Gesicht, der nun endlich einen Sinn in seiner Bestimmung erkennen konnte. „Kein Problem kleiner. Im Himmel schlägst du für mich einige Home Runs, ok?“ Zufrieden liefen die drei Moiren zu Tyler und Ethan und meinten, dass es an der Zeit wäre zu gehen. Gerade als der kleine sich von Tyler verabschiedete, fing Georgina an zu husten. Obwohl sie noch gar nicht bei vollen Kräften war, sprach sie zum Anwalt und den anderen, „Es tut mir alles so wahnsinnig leid. Nur meinetwegen ist Matt gestorben und Mitch im Gefängnis. Ich weiß das ihr Mitch durch meine Festnahme entlassen könnt, aber er wird trotzdem nicht glücklich sein können, da Matt nicht mehr am Leben ist. Ich kann nicht mit so einer Last leben, auch wenn ich vielleicht für mein ganzes Leben hinter Gitter verbringen muss“. Die Anwesenden liefen langsam zu ihr und hörten ihr aufmerksam zu. „Tauscht mein Leben gegen Matts aus, ich weiß von Gillo, dass das in Ausnahmefällen funktioniert… Bitte… Es ist alles meine Schuld“, sagte sie und warf Tyler einen schuldbewussten Blick zu.

Fassungslos starrten die Schicksalsgöttinnen die verzweifelte Frau an, die einen unerwarteten Vorschlag von sich gab. Matt kniete sich zu Georgina und blickte in ihre verheulten Augen, „Es ist ok. Ich habe mich bereits damit abgefunden“, sagte er und zeigte für sein junges Alter unheimliche Stärke. Doch Georgina blieb dabei woraufhin die Moiren ihre Hände auf Georginas Schultern legten. "Tyler ich bin dir wieder ein Schritt voraus..." Die junge Frau schloss langsam ihre Augen und senkte ihren Kopf. Sie starb…
Es funktionierte tatsächlich. Matt strahlte über beide Ohren und grüßte Ethan, der ihn nun auch sehen konnte. Dieser blickte etwas verdattert und flüsterte ein leises Hallo. Tyler, der etwas hin und her gerissen war freute sich einerseits für den kleinen und meinte auch zu ihm, dass die beiden Mal zusammen Baseball spielen konnten, aber andererseits tat ihm auch Georgina unheimlich leid, die keine andere Lösung gefunden hatte.
Bevor die Schicksalsgöttinnen sich von den drei verabschiedeten, versicherten sie, dass sie dafür Sorgen werden, dass alles seinen korrekten Lauf nehmen würde. "Jeder, der in Kontakt mit Matt kam, wird davon ausgehen, dass er nur von Georgina entführt und nicht getötet wurde. Den Rest könnt ihr beide aufklären, da dieser Fall nun nichts mehr mit Dämonen zutun hat. Danke noch einmal für alles, wir sehen uns demnächst, aber auf einer anderen Art..."
Dann verschwanden die Moiren. "Du bist mir noch ein paar Erklärungen schuldig. Aber nicht jetzt, da ich die Polizei anrufen muss. Der Fall von Matt River ist somit fast abgeschlossen, du musst morgen dem Richter nur die Wahrheit über Georgina berichten", Ethan blickte bedrückt zu Georgina, "Naja, nur die halbe Wahrheit"...
Tyler nickte einvernehmlich und verschwand mit dem kleinen Jungen. Als Ethan alleine war tauchte plötzlich ein Mann vor ihm auf, "Hör auf Tyler bei seinen Dingen zu helfen, da du sonst in große Schwierigkeiten kommst", forderte der Mann und verschwand daraufhin wieder.

Es war der
junge Mann, den Tyler schon
des Öfteren aufgesucht hatte.
Es war der
junge Mann, der sich als zukünftiger Sohn in Avas
Traum ausgegeben hatte.
Und es war der
junge Mann,
der nun auch für Ethan eine Nachricht hatte.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ende der
4. Episode
Bewertung für die 4. EpisodeErgebnisse |