Rückblick: Tyler drückt sich vor seiner Bestimmung. Umso häufiger wird er von Visionen geplagt. Als er sich endlich damit auseinandersetzt, führt ihn seine Recherchen zu Mitch River, der als kleines Kind einen Sturz von einem Hochhaus überlebt hatte. Doch plötzlich taucht ein kleiner Junge auf, der seine Hilfe braucht. Er führt ihn zu einer alten Fabrikhalle. Doch dann sieht er Mitch. Mitch hielt in seinem armen ein totes Kind...
4.2. Beweggründe eines Kriminellen

alte Fabrikhalle Ort: Greenpint
Tyler
konnte es immer noch nicht glauben was er da sah „Sag mir bitte nicht dass du
tot bist.“ Der Junge, den der Anwalt im Arm hielt, war derselbe, der auch vor
ihm stand und geschockt auf seinen leblosen Ebenbild starrte. „Nein ich bin
nicht tot, dass ich doch verrückt.“ Kreischend rannte der kleine Junge fort,
ehe Tyler was dagegen unternehmen konnte. Mitch, der sich die ganze Zeit im
Hintergrund hielt flüchtete ebenfalls aus dem Keller und ließ Tyler alleine,
„Hey du bleibst gefälligst stehen!“.
Vorsichtig legte er den blutenden Jugen auf den kalten Boden und eilte brüllend dem verstörten Mann hinterher. Gerade als Mitch aus der Fabrikhalle kam, wurde er überwältigt. Aus verschiedenen Richtungen richteten die Polizisten, einer davon war auch Ethan, ihre Waffen auf ihn. „Hände hoch. Langsam, und so das ich das sehen kann.“ Tyler blieb kurz vor dem Ausgang stehen, da er noch rechtzeitig gemerkt hatte, was sich da draußen gerade abspielte.
Ethan bekam kurz nachdem er Tyler die Informationen zu Mitch River übergab, einen Anonymen Anruf. Es hieß, dass der Kidnapper zurück an den Ort ginge, an den er den kleinen Jungen versteckt hielt. Der Polizist und eine Truppe von Polizeibeamten fuhren daraufhin sofort zur alten Fabrikhalle um Mitch zuüberführen. „Nehmt Mister River fest und durchsucht die Fabrikhalle nach dem entführten Kind!“
Einige bewaffnete Polizeibeamte eilten in die Fabrikhalle,
während zwei Mitch festnahmen und abführten. „Oh
scheiße, die kommen“, flüsterte Tyler
und suchte hastig nach einem Versteck. Er entdeckte eine
verrostete Maschine und sprang mit einem Satz dahinter, ehe
einer ihn entdecken konnte.
Kurz darauf stürmten die Männer in die Fabrikhalle. Schließlich fanden sie den leblosen Kinderkörper, der im Bauchbereich eine Tiefe Schnittwunden hatte. Einer der Polizisten zog traurig seinen Hut und schüttelte den Kopf. Er dachte sich wie ein Mensch nur so grausam sein konnte und trug ihn aus der Fabrikhalle. Als die Luft rein war, schlich der Anwalt sich wieder zur Tür.
Der kleine Junge wurde von einem Krankenwagen fortgefahren und Mitch wurde mit Handschellen in ein Polizeiwagen gezerrt „Ich war das nicht.“ Doch die Polizisten hörten ihm gar nicht zu, da sie diesen Satz schon von zu vielen Kriminellen kannten.
Ethan drehte sich noch einmal zur Tür und sichtete einer hinter der Eingangstür - seinen besten Freund. „Fahrt ihr schon mal los. Ich komme nach.“ Panik stieg in Tylers Gesicht. Verdammt, hatte der Polizist ihn wirklich bemerkt? Gerade als er wieder hinter die Maschine springen wollte ging die Tür auf „Was machst du denn hier? Warst du etwa die ganze zeit schon hier?“
Sprachlos stand er vor seinem Freund. Was sollte er bloß antworten. Die Wahrheit? Nein, das konnte er nicht, also entschloss er sich für die halbe Wahrheit. Stotternd erklärte er ihm, dass er doch wegen einer privaten Sache mit Mitch River sprchen wollte, darum ist er ihn hier her gefolgt. Er wusste ja nicht, was ihn hier erwartete. Der Polizist atmete erleichternd auf. „Nicht das ich gedacht hätte, dass du ein Komplize von ihm wärst, aber sei froh, dass die Anderen dich nicht entdeckt haben. Womöglich hättest du noch eine Zeugenaussage machen müssen. Mitch River ist der Mörder, stimmt's?“
Naja hundertprozentig wusste er das nicht, aber er hat den jungen auf jeden Fall in Mitchs Armen gesehen. „Ja. Aber kannst du mir bitte verraten wieso er das getan hat?“. Der Polizist und Tyler gingen aus der alten Fabrikhalle. Bevor Ethan ihm seine Frage beantworten wollte, ging er noch einmal auf das Thema zurück, weshalb Tyler Mitch River aufsuchte. Warum musste Ethan immer so neugierig sein, fragte sich der Anwalt in Gedanken und überlegte sich eine gute Ausrede. Doch ihm fiel nichts außer die Wahrheit ein, „Ethan, äh.. Ich kann es dir nicht sagen. Es geht nicht.“
Nachdenklich
verzog Ethan sein Gesicht. Misstrauen? Ethan zuckte seine
Schultern und fing an über Mitch River zuberichten. Der Mann hatte
finanzielle Engpässe und deswegen bat er seine Eltern um Geld. Da sie ihm
nicht helfen wollten, drohte er ihnen, dass was Schreckliches passieren
würde. Kurz darauf verschwand dann der Junge Matt River. Bei dem Nachnamen
zuckte der Anwalt zusammen. „Matt River? Sind
die etwa verwandt miteinander?“.
Nickend meinte Der Polizist, dass es der kleine Bruder von Mitch war. Ein Familiendrama. Die Eltern bekamen eine anonyme Nachricht, worin der Kidnapper 50.000 Dollar für das Lösegeld verlangte. Die Mutter verdächtigte sofort Mitch, da er auch um eine Summe von 50.000 Dollar geben hatte und ging mit dieser Behauptung zur Polizei. Deshalb hatte Mitch ja auch die Klage wegen der Kindesentführung. Doch ohne Beweise konnte Mitch River nicht verurteilt werden und wurde seither nur strenger unter die Lupe genommen. Mitch beteuerte aber immer seine Unschuld. Doch das Blatt wendete sich, als sie heute die anonyme Nachricht bekamen, die zur Überführung von Mitch führte.
Als er den Satz beendet hatte, meinte der Polizist, dass er wieder zurück ins Revier müsste, außerdem warf Ethan dem Anwalt vor, dass sie seit zwei Wochen nichts mehr unternehmen. "Außerdem siehst du richtig fertig aus. Das mit Ava wird schon wieder, da bin ich mir sicher. Also bis bald!" Tyler verdrehte seine Augen. Die ganze Sache mit seiner Bestimmung, Geister und Dämonen raubte ihn doch den letzten Nerv, es lag nicht nur an Ava. Ethan hatte ja keine Ahnung, was er gerade durchmachte...
Zurück in Tylers Wohnung
Tyler hatte gedacht, dass Mitch
derjenige war, der ihn bei seinen Fragen über das Übernatürliche weiterhelfen
konnte. Aber nun verlief alles ganz anders. Ärgerlich fuhr er mit dieser
Erkenntnis nach Hause. In der Wohnung setzte er sich auf die
Couch und schaltete den Fernseher an. Er ließ einen lauten
und quälenden Schrei los, da er das ganze nicht mehr
ertragen konnte. So viele Fragen und keiner konnte ihm
helfen.
„Wieso ich?
In Brooklyn gibt es doch so viele Leute, die viel geeigneter wären. Wieso...“
Auf einmal wurde durch ein Windzug die Fenster aufgerissen. Der kleine Matt
erschien in Tylers Wohnung und starrte ihn ängstlich an. „Sie
hatten Recht.
Ich bin verstorben, aber wieso habe ich das nicht gewusst. Ich weiß noch, wie
ich auf dem Weg zu Mitch war, weil ich ihn fragen wollte, ob er zu meinem
Baseballspiel möchte. Ich wusste ja, dass er sich mit unseren Eltern verstritten hatte und deswegen mich nicht besuchen konnte. Doch bevor ich bei
ihm ankam, wurde mir auf einmal schwarz vor Augen. Als ich wieder aufwachte
stand ich auf dem Gehweg, vor dem Haus meines Bruders.
Ich sichtete ihn dann schließlich vor dem kleinen Laden, wo er mal wieder Lotto spielte. Doch plötzlich entdeckte ich hinter Mitch einen unheimlich düsteren Mann, der ganz in schwarz gekleidet war und in der Hand eine Sense hielt. Ich schrie mir meine Seele aus dem Leib, denn ich wollte ihn vor der Bedrohung warnen, der ihn überall hin folgte. Vergebens, mein Bruder konnte mich einfach nicht hören. Er ignorierte mich einfach. Ich hatte nur einen Gedanken - mein Bruder brauchte Hilfe und da Sie gerade als einziger anwesend waren habe ich sie halt angesprochen. Den Rest kennen sie ja und ich habe festgestellt dass nicht mein Bruder…“
Tyler unterbrach den kleinen Jungen, da er von Matt wissen wollte, weshalb er seinem Bruder überhaupt helfen wollte. Schließlich war er ja derjenige, der Matt entführt und womöglich auch umgebracht hatte. Doch ihn beunruhigte zusätzlich noch eine wichtige Sache - Wieso konnte er den schwarzen Mann nicht sehen? Sonst konnte er doch alles Übernatürliche wahrnehmen. Außerdem kam ihm der Gedanke, ob es nicht dabei um die Legende des gefürchteten Sensenmann handeln könnte.
Der
Anwalt bekam aber keine Antwort, da plötzlich Angst in Matts Augen zu sehen
war. Am ganzen Körper zitterte er und mit kleinen, schnellen Schritten lief
er zum Fenster. Es sah so aus, als würde er im nächsten Moment springen
wollen „Was ist mit dir? Matt, sprich mit
mir!“. Zähneklappernd fing der kleine Junge
an zu stottern „Der schwarze Mann wollte
nicht meinen Bruder. Er wollte mich.“ Matt
flüchtete aus dem Fenster. Tyler wurde ganz zappelig und konnte nur erahnen
was gerade passierte.
Plötzlich spürte der Anwalt für den Bruchteil einer Sekunde, wie etwas durch seinen Körper huschte. Unbeschreibliche Kälte, welches er noch nie zuvor wahrgenommen hatte und totale Leere, die wie ein tiefes Loch ohne Ende war. Ihn schüttelte es am ganzen Körper. Schaurig, gruselig, unheimlich. Fenster knallten zusammen. Nur noch die Stimme von Matt war zu hören, „Mein Bruder ist unschuldig. Helfen sie ihm.“
Was Tyler nicht sehen konnte war, dass der schwarze Mann mit der Sense in Tylers Wohnung auftauchte und den kleinen jungen aufsuchte. Doch bevor er ihn mit seiner Sense die Seele des Kindes einfangen konnte, flüchtete der kleine Junge aus dem Fenster.
Ratlosigkeit und Unsicherheit plagten den jungen Anwalt. In letzter Zeit hatte er dies häufiger. War jetzt Mitch schuldig oder Unschuldig. Während er sich in Gedanken alles versuchte zusammenzupuzzeln, klingelte unerwartet sein Telefon. Tyler blickte verwundert auf seine Armbanduhr. Es war kurz nach 9 Uhr Abends. „238-575-9, Tyler Carrendoor“. Am anderen Ende der Leitung war sein aufgeregter Chef.
„Es
tut mir leid, dass ich sie noch so spät störe, aber ihr Fall muss doch
schneller über die Bühne gehen als geplant war. Die Freundin des Mandanten
hat gerade mitgeteilt, dass ihr Freund soeben in das Gefängnis gekommen ist.
Morgen müssen sie gleich um 9 Uhr in das Fellowship Gefängnis gehen. Dort
haben sie dann eine Stunde Zeit um mit ihren Mandanten die nächsten Schritte
zu besprechen. Haben sie denn schon einen Plan, wie sie ihn vor dem Gericht
verteidigen wollen?“
Tyler beschäftigte sich nur mit seinen eigenen Problemen und vergaß dabei total seinen neuen Fall. Er hatte nichts. Kein Plan. Keine Idee. Rein gar nichts. Er hatte es sich nicht einmal angeschaut. „Einen Moment bitte Mister Bosworth.“ Hastig rannte er zu seiner Aktentasche und suchte nach den Unterlagen, die er von seinem Chef bekommen hatte. Nervosität. Er konnte seinen Chef doch nicht sagen, dass er bis jetzt nichts gemacht hatte. Ungeduldig drängte der Chef ihn und wollte eine Antwort hören.
„Haben Sie ihre Vorgehensweise nicht im Kopf? Ich erwarte von Ihnen, dass sie den Fall mit Mitch River wie jeden anderen Fall behandeln, auch wenn es in seinem Fall schwieriger wird, da die Beweise gegen ihn sprechen. Ich wünsche mir weiterhin Professionalität. Ist das klar.“ Gerade hatte er noch verzweifelt nach den Unterlagen gesucht, stoppte aber dann, als er den Namen Matt River hörte. „Unter uns gesagt halte ich ihn auch für schuldig, aber Mandant bleibt Mandat. Vergessen Sie das nicht. Morgen sind Sie um 9 Uhr bei Mitch River im Gefängnis. Bye.“
Dann legte er auf. Tyler war sprachlos und musste sich hinsetzen. Er musste erst alles verdauen. Was für ein verrückter Tag. Langsam legte er sein Telefon auf die Couch und entdeckte nun in der Tasche die Akte. „Tatsächlich. Hier steht es schwarz auf weiß. Mitch River.“ Jetzt verstand er auch, warum Mitchs Freundin so erfreut war, als er vor ein paar Stunden vor ihrer Wohnungstür stand.
Ihr Freund bat nämlich die Kanzlei
um Rechtsbeihilfe. War das nun ein Zufall oder war das so vorgesehen - höhere
Mächte? Seine Gedanken wurden gestört, als der geheimnisvolle Mann in seinem
Fernseher auftauchte „Du bist auf dem richtigen Weg“, sprach der
mysteriöse Mann und Verschwand vom Bildschirm. „Ach
ich sag dazu mal gar nichts. Für heute ist mir das alles zu viel. Wenigstens
hat dieser Typ diesmal freundlich geschaut! Wer ist das bloß...“, murmelte der Anwalt
und griff nach den Unterlagen von Mitch River, dann ging er in die Küche. Nach allem was passiert war, brauchte er nun Essen. Viel Essen, denn
er hat seit dem Mittag nichts mehr zu sich genommen.
... weiter zu 4.3. Der anonyme Anruf
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