4 | Eingesperrt

4.1. Lästige Visionen 

Ostersonntag. Tyler und all seine Freunde feierten im Restaurant 360. Seine Eltern waren ebenfalls dabei und gratulierten dem Anwalt zu seiner Verlobung mit Ava. Seine Freundin gab ihm einen dicken Kuss und grinste ihn dabei an. Zwischen all den Gelächter und freudigen Gesichter, saß ein Tisch weiter ein unbekannter junger Mann, der zornig zu Tyler und seinen Freunden rüberblickte.

Als Tyler seinen Blick nach Rechts schwankte, sah er an einem anderen Tisch, die drei Moiren sitzen, die ziemlich besorgt aussahen. „Du musst dich endlich damit auseinander setzen!“, sprach der Mann und verschwand im Nichts. „Du darfst das Versprechen nicht brechen. Die Zeit rennt uns davon.“ Wie der Mann, verschwanden auch die drei Göttinnen.

Tyler war genervt, nicht einmal an einem Feiertag hatte er Ruhe vor den Moiren. „Lasst mich doch einfach in Ruhe!“. Kurz darauf fing die Tischdecke an zu brennen. Aufgeregt suchte Tyler nach Wasser damit er das kleine Feuer löschen konnte. Doch das Feuer verbreitete sich unheimlich schnell und sprang auf seine Freunde hinüber. Ava, Ethan, Carmen und all die Anderen baten Tyler um Hilfe.…

Der Wecker klingelte und Tyler wurde durch das laute Piepsen aufgeweckt. „Was war das schon wieder für ein komischer Traum“, murmelte Tyler und stellte den Wecker ab. Er war alleine im Bett, denn vor zwei Wochen hatte Ava die Beziehung zu ihm beendet. Einen vernünftigen Grund nannte sie nicht. Der Anwalt war verletzt und wütend zu gleich. Fünf Jahre waren sie zusammen und es gab keine Anzeichen für eine Trennung.

Aus seiner Schublade holte er den Ring, den er Ava zum Geburtstag schenken wollte. Traurig betrachtete er die Gravur und stellte den Ring neben seiner Nachtlampe. Langsam stand er auf und streckte sich um danach ins Bad zu gehen. Er war nicht mal richtig wach, als ihm in Spiegel der junge Mann aus seinem Traum erschien und ihm einen Heiden Schreck einjagte, „Du musst dich endlich damit auseinander setzen!“. Er spuckte das Wasser wieder aus dem Mund, und starrte sein Spiegelbild an, wo gerade noch ein anderer zu sehen war.

Das soll endlich aufhören. Ich will das nicht mehr.“ Kopfschüttelnd ging er in die Küche und griff nach dem Telefon um seinen Vater anzurufen. Er hoffte von seinem Vater Antworten auf seine Frage zu bekommen und wollte dass er sofort zu ihm fuhr. In den letzten Wochen ging er immer der Sache aus dem Weg. Nach einer viertel Stunde war sein Vater da. „Hey Tyler was ist denn? Du hast dich am Telefon so besorgt angehört

Tyler und sein Vater setzten sich, „Was geschah in der Nacht vom 24. Dezember 1982. Kann es sein, dass du dort mit mir und Mum einen Unfall hattest?“ Tylers Vater runzelte die Stirn. „Nein, wieso. An diesem Abend sind wir zu Hause geblieben, da deine Großeltern bei uns zu Besuch waren.“ Tyler murmelte enttäuscht vor sich hin. Er hatte gehofft, dass sein Vater sich noch an die griechischen Göttinnen erinnern konnte, aber das war nicht so. „Du kannst mir also auch nicht helfen.“, faselte der Anwalt und kratzte sich am Kopf.

Der Vater war besorgt um seinen Sohn und fragte ihn, ob es ihm nicht gut ginge. Er wusste von Ethan, dass Ava sich von ihm getrennt hatte und Tyler sich deswegen zurückzog. Kopfschüttelnd meinte Tyler, dass es ihm gut ginge und dass er jetzt zur Arbeit fahren müsste. Sein Vater begleitete ihn noch zu seinem Wagen. „Du kannst jederzeit zu uns kommen. Deine Mutter würde sich freuen.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Mister Carrendoor von seinem Sohn und fuhr fort.

Auf der Strecke zur Kanzlei wurde der Anwalt wieder mit einem Tagtraum oder wie die spirituellen Menschen sagen, von einer Vision konfrontiert. Wieder tauchte der Mann auf, der auch schon in Tylers Wohnung den Anwalt aufsuchte und hatte eine Nachricht für ihn, „Du musst weitersuchen. Dein Vater ist nicht der Schlüssel zu deinen Fragen. Du musst dich endlich damit auseinander setzen!

In der Kanzlei

Es war ärgerlich. Tyler hatte keinen Anhaltspunkt und fing an zu schimpfen, „Siehst du nicht, dass ich mich damit beschäftige? So ein Mist aber auch.“ In diesem Moment lief ihm sein Arbeitskollege Jason entgegen, „Na Tyler alles klar? Mit wem redest du denn?“ Er klopfte ihn auf die Schulter und meinte, dass er sich besser auf die Arbeit konzentrieren sollte, denn der Chef war von seinem letzten Fall nicht so begeistert gewesen.

Als Jason in seinem Büro ging flüsterte er, aber so dass Tyler das hören konnte, „Jetzt redet er schon mit sich selbst. Kein Wunder, dass sich seine Freundin von ihm getrennt hat. Verrückt, und so was nimmt mir wahrscheinlich noch meinen Arbeitsplatz weg“. Etwas eingeschnappt ging Jason in sein Büro. Tyler suchte im Internet nach Mythen, Sagen, griechische Geschichten und Dämonen.

Unerwartet erschien wieder der Mann vor dem Fenster und gab ihn eine weitere Botschaft. „Geh an dem Ort zurück, wo alles angefangen hat.“ Tyler schüttelte den Kopf. Er hatte von all dem Kopfschmerzen bekommen. Doch aufhören wollte er nicht. Er wollte endlich Klarheit, denn er hatte die Tagträume satt. Viele Informationen hatte er nicht herausgefunden. Also folgte er den Hinweisen von dem mysteriösen Mann – Geh an dem Ort zurück, wo alles angefangen hat. Er überlegte und überlegte was er damit meinen könnte. War etwa die Unfallstelle gemeint?

Um etwas Kraft zu tanken, ging er aus seinem Büro um eine Tasse Kaffe zu holen. Sein Chef kam ihm entgegen und gab ihn eine Akte zu einem neuen Fall mit. Dieser Fall wäre sehr knifflig, deshalb sollte Tyler sich alles gut durchlesen. Der Anwalt nickte zwar, schenkte der Akte aber keinerlei Aufmerksamkeit.

In der Mittagspause ging er in die Bibliothek um nach alten Zeitungsberichten zu suchen. Die Frau in der Bibliothek gab ihm ein Archiv mit diversen Zeitungsartikeln die im Dezember 1983 gedruckt wurden. Es war schwer nach etwas zu suchen, ohne einen gewissen Anhaltspunkt zu kennen. Tyler kratzte sich am Kopf und las die verschiedenen Zeitungsüberschriften durch. Doch nirgends fand er was über einen Unfall oder ähnliches.

Plötzlich zog ein kalter Wind an Tyler vorbei, obwohl kein Fenster geöffnet war. Die Zeitungsartikel wurden durcheinander geweht. Alles stoppte erst, als Tyler nur noch ein Zeitungsartikel in der Hand hielt. Darin ging es um einen kleinen Jungen, der auf wundersamer Weise, einen Hochhaussturz überlebt hatte - Mitch River. Konnte er vielleicht weiterhelfen?

Zurück in seinem Büro, griff Tyler nach seinem Handy und rief Ethan an. Er wollte mehr über den Mitch River wissen, der mittlerweile im selben Alter wie der Anwalt sein musste. Mitten im Gespräch platzte sein Boss in sein Büro, „Ja oder Nein! Ich brauche jetzt eine Antwort!“ Tyler, der nur mit einem Ohr zu hörte, nickte und hielt preisend die Akte in die Luft. Zufrieden ging sein Chef wieder aus dem Zimmer. Doch er konnte ja nicht ahnen, dass sein Tyler kein einziges Mal in die Akten hinein.

Feierabend. Ethan wartete schon vor der Kanzlei auf ihn und hatte einige Blätter in der Hand. „Wozu brauchst du was von Mitch River? Ist er dein neuer Mandant oder wieso willst du mehr über ihn wissen?“ Tyler schüttelte nur den Kopf und meinte, dass es was Privates wäre. Der Polizist durfte eigentlich keine polizeilichen Akten weitergeben, aber er hatte vollstes Vertrauen zu Tyler. „Mitch River galt als Genie in der Universität, doch irgendwann hat er sich urplötzlich verändert. Mehr habe ich leider nicht. Doch eins muss ich dir noch sagen…

Irgendwas sagte Tyler, dass er auf der richtigen Spur war. Der Anwalt bedankte sich bei seinem Freund und riss ihm die Blätter aus der Hand, obwohl er noch nicht ausgesprochen hatte. Tyler fuhr fort. „… Was ich noch sagen wollte ist, dass er momentan eine Klage wegen Kindesentführung am Hals hat. Tyler, du bist manchmal so was von komisch.“ Doch diesen Satz hörte Tyler nicht mehr, da er auf dem Weg zu Mitch River war.

Kaum zu glauben, dass er fast um die Ecke von Tyler wohnte. Als er an seiner Wohnung klingelte, öffnete eine junge hübsche Frau die Tür. „Hallo, könnte ich bitte mit Mitch River sprechen, mein Name ist Tyler Carrendoor und ich bin Anwalt von der Kanzlei Jackson & Lewis“ Sie freute sich komischerweise über seinen Besuch, musste aber dennoch den Anwalt enttäuschen. Ihr Freund hat vor fünf Minuten die Wohnung verlassen, weil er zur Arbeit musste.

Sie fügte noch hinzu, dass Tyler ihn noch auffangen könnte, da er meistens noch am Abend in das Kiosk ging um Lotto zu spielen. Dankend verabschiedete sich Tyler von der Frau, die Georgina hieß. Er hatte es eilig und rannte schnell die Treppen hinunter. Doch er war etwas zu spät. Er sah noch, wie der Mann in sein Auto einstieg und losfuhr. „Jetzt aber schnell“, flüsterte er und stieg in seinen Wagen ein. Plötzlich klopfte es an der Fensterscheibe.

Verwundert drehte er sich zur Seite und sah einen aufgeregten Jungen, „Was gibt es? Ich habe es eilig.“ Der kleine Junge starrte ihn an, „Ich habe es auch eilig. Sie müssen mir helfen bevor alles zu spät ist. Mein Bruder schwebt ihn Lebensgefahr!“. „Ist es nicht besser, wenn du die Polizei darüber informierst?“. Der kleine Junge schüttelte den Kopf und meinte, dass alles zu spät wäre, bis die Polizei endlich auftauchen würde. Der Junge stieg ohne Erlaubnis in den Wagen ein und befahl den Anwalt loszufahren. Was sollte der Anwalt machen? War das alles nur ein Scherz oder sagte der kleine Junge die Wahrheit.

Wieder spürte Tyler einen kalten Wind, was ihn beunruhigte. „Jetzt fahren sie schon endlich in die Greenpoint." Der Anwalt schüttelte nur den Kopf, während er den Motor anzündete und losfuhr. Sie hielten vor einer alten Fabrikhalle. Der kleine Junge öffnete die Tür und rannte hinein. „Ist das jetzt bei euch Jungendlichen der neue Spielplatz oder wie sehe ich das?“, fragte Tyler scherzend und lief ihm hinterher. Sie blieben vor einer Kellertür stehen. Plötzlich hörte Tyler eine Stimme. „Irgendwie beunruhigt mich das etwas“, flüsterte er und sah, wie der kleine Junge die Kellertür aufmachte. Tatsächlich, Da war wirklich jemand. Obwohl die Beleuchtung mehr als miserabel war, konnte er trotzdem was sehen.

Der Anwalt musste sofort auf den Mann starren, der einen blutenden Jungen in den Händen hielt. Beide erschraken sich, als sie die Anwesenheit des Anderen bemerkt hatten. „Was zum Teufel haben sie getan? Lassen sie den kleinen Jungen sofort los!“ Ängstlich schritt der Mann zurück, und ging genau an die Stelle, wo das Licht an hellsten war. Mit entsetzen musste Tyler feststellen, dass es Mitch River war. Schnell rannte er zu dem leblosen Jungen um ihm zu helfen. Doch als er den Kleinen zu Gesicht bekommen hatte, wurde er ganz bleich im Gesicht. Langsam drehte er sich zu dem Jungen, der ihn hier her gebracht hatte „Sag mir bitte nicht, dass du …

... weiter zur Fortsetzung: 4.2. Beweggründe eines Kriminellen

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