10 | Hochzeitsglocken

Was bisher geschah:
Dwight: Ein unbeschreiblich schmerzender Stich brachte mich aus der Verfassung, so dass ich nur noch zu Boden fiel und mir an die Brust fassen musste. „Was ist denn los Dwight?“ Mit zusammengekniffenen Augen sah ich Hypnos an, der sich zu mir drehte und erschrocken an mir hoch blickte „Lange nicht mehr gesehen, nicht wahr mein Bruder“, kam aus dem Mund von dem besessenen Jonathan hervor. Thanitus, der Bruder von Hypnos, der wahre schwarze Mann, hatte es nun wirklich aus der Hölle geschafft. So wie es alle Dämonen vorausgesehen hatten…

10.4. Was schmerz am meisten?

Aus der Sicht von Dwight:
„Was hast du getan?“, wollte Hypnos von seinem Bruder wissen und kämpfte sich vor zu Dwight. Unschuldig zuckte er mit der Schulter und war sich keiner Schuld bewusst, „
Ich war das mit dem jämmerlichen Menschen nicht. Der Junge fiel einfach vor mir um. Ich habe nichts getan. Ehrlich jetzt.“ Mit besorgtem Blick senkte Hypnos seinen Kopf zu mir und sah mich an. Noch bevor er etwas sagen konnte, merkte ich, wie eine ungeheure Kraft mich vom Schiff wegzog und ich schließlich alle aus den Augen verlor…

Aus der Sicht von Hypnos:
Ich hatte es schon vorhergesehen. Die Dämonenmutter hatte wirklich einen Weg gefunden,
Thanitus mein Bruder, der unbarmherzigen Seelenbegleiter aus der Hölle zu befreien. Da ich ihn selbst in die Hölle befördert hatte, war mein Bruder sicherlich zornig darüber, dass ich das getan hatte. Aber was sollte ich machen? Thanitus' Macht wuchs ihm über den Kopf und deshalb konnte er nicht mehr unterscheiden was Recht oder was schlecht war. Ich konnte schon seine grimmigen Augen sehen, die regelrecht glühten und nur darauf warteten, mich in Stücke zu zerreißen.. „Verräter! Wie konntest du nur deinen eigenen Bruder so was von Hintergehen! Mich! Deinen älteren Bruder, der sich immer um dich gekümmert und dir alles beigebracht hatte, um nicht in der Unterwelt unterdrückt zu werden!“ Wütend packte er mich am Hals und entnahm mir meine Sense, die ihm eigentlich gehörte, bevor er in Hölle verbannt wurde...

Aus der Sicht von Atropos (Amy):
Während ich ein Dämon nach dem Anderen in die Hölle zurück beförderte, entging mir nicht, dass Thantitus und Hypnos sich bekämpften. Oh nein, es war wirklich so, wie es Hypnos gesagt hatte. Der wahre Sensenmann war wiedergeboren und hatte den Körper von Jonathan Avens (Never Forget) in Besitz genommen. Da ich für kurze Zeit ablenkt war, merkte ich nicht, wie ein Vampir sich hinter meinen Rücken schleichen konnte und mich von hinten nun eingreifen wollte. In letzter Sekunde schoss ein gewaltiger Elektrostrahl in meine Richtung und ließ den Vampir qualvoll verbrennen. Erleichtert darüber, dass mir nichts geschehen war, bedankte ich mich bei Mason und konzentrierte mich nun auf die Wasserdämonen, die immer wieder aus dem Wasser auf das Schiff kletterten und sich unüberschaubar vermehrten. Klotho tauchte neben mir auf: „
Die Hochzeitsgäste schlafen nun. Sie werden nun nichts mitbekommen und ich habe noch jemand anderes entdeckt! Sarah, diejenige, die die Gabe hat, die Zeit zurück zu drehen. Sarah, die wir eigentlich für eine Hexe hielten und schon seit geraumer Zeit suchen, entpuppt sich als eine ganz normale junge Frau, die nur die besondere Gabe hatte, die Zeit zurück zu drehen. Sie ist auf unserer Seite und steckt nicht mit den Dämonen unter einem Hut.“ Etwas überrascht über Klothos Nachricht, forderte ich meine Schwester auf, ihr genügend Schutz zu geben, so dass sie ihr Ritual vollziehen konnte.

Alucard bekam unser Gespräch mit und ließ Tyler und Ethan, die eh abgelenkt waren links liegen und eilte zum unteren Deck des Schiffes. Schnell erkannte ich, dass sie Sarah töten wollte und ich forderte Mason auf, ein weiteres Mal seine Fähigkeit einzusetzen, um Alucard mit Elektroschocks von Sarah fern zu halten. Kaum hatte ich es ausgesprochen, schossen aus Masons Händen blauweiße Blitzstrahlen hervor und trafen Alucard. Diese blieb elektrisiert stehen und drehte sich nun wütend zu Mason, der sie schief anlächelte. „Willst du noch eine Ladung Volt?“ Richtig erbost über die Frechheit des unverschämten Kriegers, wollte die Baronin ihm eine Lektion erteilen und stürmte auf den Krieger aus Staten Island zu. Diese Gelegenheit nutzten Klotho und ich, um zu Sarah zu eilen…

Aus der Sicht von Isaac
Ich warf mit Hilfe der Telekinese, dutzende von Dämonen über Bord, doch hatte ich auch gesehen, dass die Dämonenzahl weiterhin wuchs und jeder von uns Guten, schwer beschäftigt war. Mason lieferte sich einen Kampf mit der Vampirin, während Tyler endlich Ethan wieder zur Vernunft bringen konnte, nahmen die beiden den Kampf gegen die Dämonen wieder auf. Mitten in den Kämpfen, war wie aus einem unsichtbaren Lautsprecher eine düstere weibliche Stimme zu hören: „Alucard und ihr anderen Dämonen, zieht euch zurück. Ihr habt euren Spaß gehabt! Thanitus muss sich nun beweisen und die Bewährungsprobe bestehen! Ich bin gespannt, ob er immer noch so viel Kraft hat, wie vor seinem Tod!“ Kaum hatte die furchteinflößende Stimme ausgesprochen, ließen die Dämonen wie beim letzten großen Kampf in der Universität, alles stehen und liegen womit sie gerade beschäftigt waren und sprangen mit einem Gejaule und Geheul entweder zurück ins Wasser oder Schossen in den grauen, gewittrigen Himmel, bis nur noch Thanitus als einziger Dämon übrig…

Aus der Sicht von Tyler:
Ach erst jetzt realisierte ich, dass Jonathan Avens (Never Forget), der Freund von meinem Vater augenscheinlich von einem Dämon besessen war. Ok, es war nicht irgend ein Dämon, nein es war der wahrhafte Sensenmann. Der Henker oder auch einfacher gesagt, der schwarze Mann. Thanitus drückte Hypnos (Hugh) in die Luft und erstickte ihn. Er holte mit der Sense weit aus und durchbohrte den Körper des Seelenbegleiters, der beim letzten Kampf, uns vor den schlimmen Folgen der Vampirschlacht bewahren konnte. „Helft mir!“, flehte Hypnos, während er Blut aus seinem Mund spuckte und vor Schmerzen die Augen zusammen drücken musste. Alle erstarrten vor Schreck. Die Dämonen waren wirklich skrupellos. Sie töteten sogar ihre eigenen Verwandten. Wieder konnten wir die weibliche Stimme erneut hören: „Da du nun dein Bruder aus dem Weg geräumt hast, kümmere dich nun um die Krieger und die restlichen nervigen Störenfriede. Zeig ihnen, dass du der wahre Henker bist, der keine Ausnahmen macht!“ Was zur Hölle meinte denn diese merkwürdige Stimme? Düster fing der schwarze Mann, also Jonathan an zu lachen und warf seinen Bruder eiskalt in die höher werdenden Wellen. „Nun zu euch vieren!“, knurrte er und blickte gierig in die Runde...

Aus der Sicht von Sarah Mc Carter (Soul Survivor):
Ich suchte Schutz im Saal und legte mich einfach wie die anderen Gäste schlafend auf den Boden. Plötzlich öffnete jemand die Tür, wodurch ich erschrocken die Luft anhielt und meine Augen noch viel fester zusammen presste. Hoffentlich merkten sie nicht, dass ich nur gerade einen Schlaf vortäuschte. „
Sarah, Sarah? Wo bist du?“ Verwundert öffnete ich vorsichtig mein rechtes Auge und schielte zur Tür um heimlich nachzusehen, wer nach mir suchte. Als ich merkte, dass diese Frauen nicht wie die ekligen Kreaturen auf dem Deck aussahen, atmete ich erleichtert auf. Puh, noch mal Glück gehabt, dachte ich und traute mich nun langsam aufzustehen. „Ach da bist du ja!“, seufzte die kleine Frau von den beiden (Atropos) und trat mit schnellen Schritten zu mir. Die etwas größere von den beiden Frauen lächelte mir freundlich zu und stellte sich und die andere Person an ihrer Seite kurz vor. „Das ist meine Schwester Amy (Atropos) und ich bin Kirsten (Klotho) und wir wollen dir nur helfen. Wir machen dir nichts, keine Angst.“ Amy unterbrach ihre Schwester und korrigierte sie, „Naja also eher gesagt brauchen wir deine Hilfe. Wir wissen, dass du die Fähigkeit hast, einmal die Zeit zurück zu drehen“ Verdutzt blinzelte ich die zwei Frauen an. Warum wusste auf einmal jeder über meine Gabe bescheid? Stand auf meiner Stirn etwa -Hallo ich bin Sarah und kann die Zeit zurück drehen- geschrieben?! „Der eine Dwight bat mich ebenfalls um Hilfe und meinte, dass ich seine Eltern, Tyler und Ava retten sollte.

Auf diese Bemerkung hin zuckten die beiden erstaunt zusammen. „Dwight ist der Sohn von Ava und Tyler? Wen meinst du damit?“ Daraufhin beschrieb ich Dwight für Kirsten und Amy. Ich fasste mich kurz, da ich immer wieder zusammen schreckte, da auf dem oberen Deck, es ununterbrochen rumpelte und polterte. „Lachesis hatte also doch recht mit ihrer Vermutung. Der eine Junge, der uns damals vor den Harpyien (8. Episode: Dämonenmärchen) gerettet hatte, ist wirklich Tylers Sohn. Nur warum ist er denn so Alt?“ Mit hochgezogener Augenbraue äußerte sich Amy (Zur Erinnerung: Atropos) auf die Frage hin, dass es nur eine Möglichkeit gab, „Er muss wohl aus der Zukunft kommen. Anders kann ich mir das nicht erklären.“ Zustimmend nickte Kirsten (Klotho) ihrer Schwester zu, während ich unwissend mit der Schulter zuckte. Hallo geht's noch? Bin ich etwa in einer Freakshow gelandet? Eklige Monster, Männer mit übernatürlichen Kräften und Frauen, die sich fortbeamen konnten, waren defintiv außerhalb meiner Gehaltsstufe. „Ja und, hat Dwight dir gesagt, wie seine Eltern sterben werden?“

Leider musste ich den Kopf schütteln, da ich Dwight nur kurz sehen konnte. Mitten in unserer mehr oder weniger gemütlichen Tratsch-Runde, wurde die Tür aufgebrochen und ein Mann nach dem Anderen flog im hohen Boden auf den harten Boden. „Du meine Güte, Tyler! Ethan, Mason, Isaac!“ Ich merkte, dass Kirsten kaum mit den Namen der Männer nachkam, da sie so schnell hintereinander in den Saal geschmettert kamen. „Sarah such deine Gegenstände, um dein Ritual durchführen zu können. Wir versuchen dir ausreichend Deckung zu geben.“ Ja, nun war wieder Panik angesagt. Schnell suchte ich so gut wie es ging meine Tasche und fand sie neben der schlafenden Hope, die die Hochzeitsrede gehalten hatte. Gerade als ich nach meiner Tasche greifen konnte, sah ich an der Tür den angst einflößenden Mann, der wie die anderen Dämonen ungewöhnliche schwarze Pupillen hatte und mir bei dem Anblick das Blut in meinen Adern vor Angst erfror. Mein Puls schlug mit jeder Minute schneller und ich wollte eigentlich nur noch Weg oder besser gesagt ein sicherer Platz. Ich wandte mich wieder vom schrecklichen Dämon ab und glaubte hinter dem großen Vorhang der Bühne genügend Schutz zu haben.. Mutig stellten sich Kirsten und Amy vor den die am Boden liegenden Männer, weil sie für eine kurze Zeit benommen waren...

Aus der Sicht von Ethan:
Obwohl wir zu viert waren und mindestens drei gewaltige Kräfte hatten, konnten wir nicht wirklich gegen Thanitus ankämpfen. Zum einem kam, dass Thanitus im Körper von Jonathan war und wir nicht wollten, dass dem Freund von Tylers Vater etwas zustoßen könnte. Zum anderen war der Sensenmann uns einfach überlegen, da er all unsere Schritte schon im Voraus erahnen konnte. Tyler stand auf und versuchte mit leichten Windstößen, Jonathan oder besser gesagt Thanitus ein wenig Abzulenken. Dieser aber blockte die Windstöße mit seiner Sense ab: „
It's a Highway to hell. Dammdidum. Highway to hell.. lala la la... Ja, für deine Gäste wird es ein Höllentrip werden…“, trällerte der Seelenbegleiter während er anfing die Sense ununterbrochen zu drillen. „Was will er damit bezwecken?“, fragte Isaac besorgt und wandte sich zu Atropos, die wimmern konnte, was gleich passieren würde: „Er will die Seelen der schlafenden Menschen rauben. Wir müssen ihn verhindern!“ Atropos sprach onfolgedessen einen lateinischen Bannspruch auf, der den Dämon aus Jonathan austreiben sollte.

Ad constringendum.
Ad ligandum eos pariter Et solvendum.
Et ad congregantum eos coram me

Jedoch blieb der schwarze Mann unversehrt und hatte nicht mal eine Reaktion von sich gegeben. „War das etwa schon alles? Ich bin echt enttäuscht. Wart ihr nicht in der Vergangenheit die gefürchteten Götterskinder, die als Krieger im Dämonenkampf triumphierten? Was ist denn nur aus der guten alten griechischen Zeit geworden...“, sagte Thanitus spöttisch und flog daraufhin in die Mitte des Saales und zog dabei eine Seele nach der Anderen in seine tödliche Sense. Wir mussten handeln und nicht nur tatenlos da stehen. Isaac sorgte dafür, dass der Kronleuchter von der Decke fiel, um ihn irgendwie abzulenken, aber auch das hatte nicht wirklich viel genützt. Ich gab Tyler ein Zeichen um zu signalisieren, dass wir beide unser Glück versuchen sollten. Gleichzeitig rannten wir in seine Richtung und wollten ihn irritieren. Vielleicht würde es ja funktionieren, obwohl unsere Chancen sehr minimal waren. Tyler ließ wieder einige Windstöße frei und sorgte dafür, dass die Seelen nicht direkt in seine Sense gezogen wurden. Sie flogen nun im Saal umher und es sah so aus, als würden sie nicht wissen, wohin sie wirklich fliegen sollten. Ich merkte, dass Thanitus etwas erstaunt darüber war und überwältigte ihn…

Aus der Sicht von Mason:
Mutig sprang Ethan auf den Sensenmann und knallte mit ihm auf den Boden. Dabei ließ der Dämon seine Sense aus der Hand fallen und schimpfte wütend: „
Du wagst es mich anzugreifen, dass könnte dir so passen.“ Alle dachten wirklich, dass Ethan die Überhand hatte, doch da hatten wir uns leider wieder einmal getäuscht. Nur durch seinen Blick konnte er über Ethans Körper beherrschen und drückte ihn nun von sich. „Ich kann mich nicht mehr bewegen! Er hat die Kontrolle übernommen!“ Jeder Versuch, sich wieder aus seiner Gewalt zu befreien, war zwecklos. Verzweifelt kniff er seine Augen zusammen und bis sich auf die Zähne. Er merkte, wie der Sensenmann versuchte, etwas aus seinem Körper mit voller Gewalt herauszuziehen. Wollte er etwa Ethans Geist herausziehen? „Lass ihn los“, brüllte Tyler und griff nach der Sense, welche der schwarze Mann bei Ethans überraschenden Angriff, fallen ließ. Drohend stand Tyler nun hinter Thanitus, „Wenn du Ethan nur ein Haar krümmst, werde ich dir ohne die Wimpern zu zucken, diese Sense in deinen Rcken rammen! Also, was entscheide dich! Ethan oder Sense?“ Nach der Drohung drehte sich der schwarze Mann um und fing zynisch an zu lachen: „Tz, Tz, Tz. Du alberner Clown, denkst wirklich, dass ich vor dir Angst habe? Wo denkst du hin? Ich bin der Tod persönlich. Mich schreckt nichts ab. Rein gar nichts! Ich bin von der Hölle zurück und etwas schlimmeres als das Fegefeuer gibt es nicht." Wie aus Geisterhand wurde Tyler die Sense aus der Hand gerissen und gelangte direkt in die freie Hand vom schwarzen Mann, „Siehst du? Jetzt sehen die Karten wieder ganz anders aus!“…

Aus der Sicht von Ava:
Mit dröhnenden Kopfschmerzen wachte ich in einem unbekannten Bett auf. Das Licht, welches von der kahlen, weißen Decke in mein Gesicht strahlte, blendete mich so arg, dass ich meine Augen schützend zusammen kneifen musste. Lynda (Lachesis) erhob sich von ihrem Stuhl und lief erleichtert an das Bett: „Gott sei Dank bist du aufgewacht! Ich habe mir schon solche Sorgen um dich gemacht.“ „Was ist denn passiert? Ich kann mich an fast gar nichts mehr erinnern.“ Etwas zögerlich fing Lynda an mir zu berichten, was vor einer Stunde geschah. Mit unglaubwürdigen Blicken sah ich die Göttin an. Und als sie von meinem Treppensturz erzählte, runzelte ich nachdenklich die Stirn. Hatte ich deshalb so schreckliche Kopfschmerzen? Um sicher zu gehen, langte ich mir an den Hinterkopf und konnte eine große Beule spüren. „Autsch… Anscheinend sagst du die Wahrheit. Wie kam es denn dazu?“ Lynda wusste im ersten Moment nicht, ob sie mir die Wahrheit sagen sollte, aber ich bestand darauf. Schließlich hatte ich die Beule und die Kopfschmerzen. Es war also mein gutes Recht. Zögerlich stammelte sie etwas von Dämonenangriffen und das Tyler und die anderen Krieger zusammen mit Ethan sich gegen die Dämonen stellten. Ich wurde anscheinend von dem Stil einer Sense getroffen und konnte vom Glück reden, dass die Klinge mich nicht getroffen hatte. Ansonsten würde ich jetzt nicht im Bett mit ihr das Gespräch führen. „Wie geht es Tyler? Hast du seitdem mit ihm gesprochen?“ Gerade als ich mich aufrichtete, um vom Bett zusteigen, klopfte es an der Tür. Dr. Xavier, ein Arbeitskollege von mir trat mit ernster Miene in das Zimmer und mir überkam ein unheimlich schauriges Gefühl. Hatte er für mich etwa eine schlechte Nachricht? Außer meiner Beule und den Kopfschmerzen fühlte ich mich schon fast wieder ganz fitt...

In unserem Krankenhaus überbrachte nur er meistens den Patienten eine traurige Botschaft. „Wie geht es dir Ava? Hast du irgendwelche Schmerzen oder kannst du irgendwelche Veränderungen wahrnehmen?“ Kopfschüttelnd kniff ich meine Augen leicht zusammen und schaute kurz aus dem Fenster. Irgendetwas war anders. Doch, ja er hatte recht. Ich konnte es nicht deuten, aber das mulmige Gefühl wurde mit jeder Minute stärker. „Du bist unglücklich von der Treppe gefallen und hast dich mehrmals überschlagen.“ Als ich unglaubwürdig zu Lynda starrte, konnte ich ihre Sorgenfalten sehen, die mich nur noch unruhiger machten. „Wir haben wirklich alles versucht um zu verhindern, dass dies geschieht und glaub mir, wir haben bis zur letzten Minute gekämpft…“ Nun konnte ich es spüren. Die schreckliche Leere,. Ein tiefes Loch, welches in meinem Körper war... Nein, das konnte doch nicht sein? Ich hoffte so sehr, dass ich mich darin täuschen würde und wünschte mir, dass ich in meiner Vermutung falsch lag. „Ava, du hast bei dem Sturz leider dein Kind verloren… Es tut uns so wahnsinnig leid…“ Weinend hielt sich Lynda die Hand vor dem Mund um ein lautes Schluchzen zu verhindern… Nein, dass konnte nicht wahr sein. Er erlaubte sich einen schlechten Scherz mit mir. Nein. Ich konnte das nicht glauben und wollte einfach die letzten Worte von Dr. Xavier vergessen. Meinem ungeboren Kind ging es gut, hundert prozentig! ZItternd legte ich meine Hand auf den Bauch und konnte zu meinem Unglück die genähte Wunde spüren…

Ich war am Boden zerstört und senkte verstört meinen Kopf. Bitterlich flossen ununterbrochen die Tränen von meiner Wange und landeten auf meine Finger, die ich immer noch am Bauch gelegt hatte. Mitfühlend legte Lynda ihre Hand auf meine Schulter und drückte mich zu sich um in meiner unendlichen Trauer zu trösten. Ich hatte nicht einmal mein eigenes Kind sehen können, ehe es sich schon von der Welt verabschiedet hatte. Ich wollte mein Baby nach meinem zu früh verstorbenen kleinen Bruder Dwight benennen. Ich erinnerte mich an meinen Traum, wo mich mein eigener Sohn besucht hatte. War alles doch nur ein Traum? War das alles nur Einbildung? Ich wusste nicht mehr was ich machen sollte. Ich war verzweifelt und fühlte mich so unbeschreiblich leer… Ich dachte daran, wie Tyler darauf reagieren würde, da er sich so wahnsinnig über unser Kind gefreut hatte. Er hatte es zwar nie gesagt, aber er hatte immer so funkelte Augen gehabt, wenn wir über unser erstes gemeinsames Kind sprachen. Bei diesen Gedanken wurde ich nur noch trauriger und fiel in ein noch tieferes Loch der Trostlosigkeit... Tyler wo bist du? Ich brauche dich mehr als den je...

Aus der Sicht von Isaac:
Blitzschnell wandte er sich zu Ethan und noch bevor einer von uns reagieren konnte stach er auf Ethan ein. Sprachlos standen wir da und konnten und vor Schreck nicht mehr vom Fleck bewegen. Langsam tropfte das Blut vom silbernen Eisen hinunter auf den Boden. Keuchend wandte sich Ethan zu Tyler und versuchte noch etwas zu sagen, doch in diesem Moment zog der Dämon die Sense wieder aus seinem Körper und sorgte dafür, dass der Polizist nur noch mehr blutete. Mit halbgeöffneten Augen hielt er sich die Hand auf die Wunde und blickte unglaubwürdig an sich hinunter, "
Tyler?!"  Der Schmerz überwältigte ihn und zwang ihn auf die Knie zu sinken. Ethan hatte Atemnot und schnappte kläglich nach Luft. Doch nach und nach verlor der Polizist das Gefühl von seinen Gliedern. Eine ungeheure Kälte überkam ihm weshalb er mit seinem Kinn anfing zu zittern. Mit zusammenfallenden Augen an versuchte Ethan mit seinen Lippen Lebwohl zu formen. Unglücklicherweise hörte in diesen Moment sein Herz auf zu schlagen. Seine Augen verdrehten sich und seine Augenlieder klappten zusammen und blieben endgültig geschlossen...

... weiterlesen 10.5. Nur für dich