10.2. Ein Moment wie dieser
Aus der Sicht von Tyler
"Und
Tyler, bekommst du schon weiche Knie?", fragte mich Ethan, der einen
beigefarbenen Anzug trug. "Nein, wo denkst du hin. Ich kann es kaum erwarten
ihre Reaktion zu sehen…" Daran zweifelte Ethan nicht. Carmen kam zu uns und
zwinkerte mir zu. „Avas Kleid ist wirklich einsame Spitze. Dir werden die
Augäpfel rausfallen.“ Während wir miteinander erst einige Worte gewechselt
hatten, stieß Hope dazu und meinte, dass Ava gleich in der Limousine kommen
würde und nun alle Platz nehmen sollten. „Du natürlich nicht, Tyler. Geh schon
unter den Blumentor und warte auf deine Braut!“ In mir pochte das Herz. Nun
wurde ich unruhig und aufgeregt. Gleich würde Ava kommen und wir würden vor
Pastor Kingston stehen und uns vermählen. Mein rechtes Auge fing unerwartet
unkontrolliert an zu zucken.
Wahrscheinlich war es die innere Nervosität, die nun zum Vorschein kam. Mit zittrigen Beinen lief ich vor und drehte mich zu meinen Gästen, die mich alle mit einem Lächeln anstarrten. In diesem Moment fühlte ich mich wie auf dem Präsentierteller. Ich schloss für eine kurze Zeit und atmete tief auf. „Du brauchst keine Angst haben. Bleib einfang ganz entspannt…“, flüsterte Mister Kingston und versuchte meine Anspannung zu entnehmen. Unter den ganzen Gästen erhaschte ich zwei Frauen, die ich vom sehen her noch nie gesehen hatte. Auf der linken Seite saß eine zierliche kleine junge Dame, die dunkelbraune Haare hatte und mich mit zusammengepressten Lippen anstarrte. Als sie gemerkte hatte, dass ich sie beobachtete, drehte sie sich schnell zur Seite und tat so, als hätte sie mich nicht ununterbrochen angestarrt.
Ich wandte mich zur zweiten unbekannten Person, die gesehen hatte, dass sie von mir entdeckt wurde. Dieses Mädchen hatte im Gegensatz zu der anderen Unbekannten, lange blonde Haare. Zu wem gehörten die beiden denn? Zu Ava? Ich wüsste nicht, sie jemals mit Ava gesehen zu haben. Naja egal, denn von weitem erblickte ich nun die lange weiße Limousine, worin Ava und ihr Vater war. Nun war es soweit. Ava würde kommen und meine angespannte Miene löste sich langsam, da ich es kaum erwarten konnte, sie in einem Hochzeitskleid zu sehen. Ihr Vater stieg als erstes aus und half ihr beim Austeigen. Oh Gott, sie sah so wunderschön aus. Wie ein Engel, dass sich in Brooklyn verirrt hatte. Ich schluckte einmal kräftig und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Nein, mein Lächeln hörte gar nicht auf, es war auf Dauerlächeln gestellt.
Aus der Sicht von Ava
Mein
Vater löste langsam das Tuch von meinen Augen und ich wurde von allen Anwesenden
beobachtet. Tyler hatte sich so viel Mühe gegeben. Alles war so schön aufgebaut
und alles war so harmonisch. Alle waren sie gekommen. Meine Freunde und Familie.
Arbeitskollegen und deren Partner. Auch bei Tyler fehlte niemand. Ich war
überwältigt und musste mit meinen Tränen kämpfen. Um nicht umzukippen, klammerte
ich mich ganz fest am Arm meines Vaters und blickte zu Tyler, der mich mit
funkelten Augen und eines seiner schönsten Lächeln anschaute. Langsam lief ich
auf den langen weißen Teppich und eine wunderschöne Hochzeitsmelodie ertönte aus
einem weißen Flügel. Ethan, der extra für mich am Klavier saß und in die
bezaubernde Musik spielte, rundete diesen schönen Moment ab.
Der Weg zu Tyler kam mir solange vor, obwohl ich eigentlich nur knapp eine Minute brauchte. Nachdem sich mein Vater von mir löste um sich auf seinen Platz niederzulassen, stellte ich mich vor Tyler und blickte in seine gläsernen Augen. Zum ersten Mal sah ich ihn mit Tränen in den Augen. Ich war so gerührt und konnte im ersten Moment gar nichts sagen. Tyler nahm meine Hände und fragte leise ob ich bereit wäre. Da ich wie gesagt kein Ton aus mir herausbringen konnte, nickte ich einvernehmlich und blickte zum Pfarrer (rechtes Bild, Robert Kingston, 1. Episode), der nun seine Rede hielt und die Zeremonie einleitete.
Aus der Sicht von Pastor Kingston
„Zwei Namen wollen heute gern
in einem sich verschlingen,
den ihren will den Eheherrn
die Braut zum Opfer bringen:
doch soll der Bund gesegnet sein,
so klinge noch ein Namen drein,
so kling in Gottes Namen
zu eurem Ja das Amen.
So zieht zu zwei’n ins Gotteshaus,
die Freude zum Geleite!
So kommt vereint vom Herrn heraus,
er selbst an eurer Seite
zieht fröhlich ein zu eigenen Tür,
bleibt eins in Liebe für und für,
und Gott in eurer Mitte
sei selbst im Bund der Dritte!
"Auf Wunsch des Brautpaares werden nun Hope und Ethan die gemeinsam erarbeitete Hochzeitsrede halten. Gottes Segen habe ich bereits mit meiner Versrede getan nun tretet bitte vor und vollendet die Eheschließung."
Aus der Sicht von Ethan
Hope und ich standen nun auf und liefen zum Pfarrer, wir beide hatten unsere Texte gut einstudiert und waren bereit, in vorzutragen.
„Liebe Ava,
Lieber Tyler,
statt vieler Worte hier nun die Essenz von Hope, mir und von allen Gästen,
was ich euch auf den Weg geben möchte:
Möget ihr
Euch das ganze Leben über respektvoll behandeln,
euch gemeinsam über Kleinigkeiten freuen,
euch gegenseitig fordern und zu Höchstleistungen anfeuern,
euch in die Realität verlieben, nicht in die Illusion,
euch nie streiten, wer den Müll wegbringt,
euch kleine Liebes-Mails schreiben und
gegenseitig in eure Postfächer schicken?
Geteilte Sorgen und verdoppelte Freude haben,
einen Streit nicht als Ende, sondern als Möglichkeit,
sich mit dem anderen auseinanderzusetzen,
begreifen den anderen immer wieder neu zu entdecken.
Aus der Sicht von Hope
Nie den Geburtstag des anderen
vergessen,
dem anderen die Lieblingsspeise kochen, um ihn aufzuheitern,
gemeinsam das Leben im Kleinen und Großen planen,
immer füreinander da sein.
Falls ihr, liebe Ava, lieber Tyler
die Fragen mit einem sicheren Ja
beanworten könnt,
so sagt nun die magischen Worte, die auf euren Eheringen eingraviert wurde.
„Bis in die Ewigkeit, weil Liebe niemals
stirbt, will ich mit Tyler Carrendoor zusammen sein.“
„Bis in die Ewigkeit, weil Liebe niemans stirbt, will ich ebenfalls mit Ava
Darwin zusammen sein.“
Nun beendete der Pfarrer die Zeremonie und forderte Tyler zum Abschluss auf, die
Braut zu küssen.
Aus der Sicht von Ava
Langsam beuge sich Tyler zu mir und hielt mich an den Schulter fest. Zärtlich zog er mich zu sich und küsste mich gefühlvoll auf die Lippen. Während des magischen Kusses, entfachten in mir tausende Feuerwerke, hunderte von Schmetterlingen, die ein wahnsinniges Kribbeln hinterließ. Überwältigt von einem Moment wie dieser, wünschte ich mir, dass dieses Gefühl von Glück und Geborgenheit nicht aufhören würde. Mein ganzer Körper zitterte vor Gluck und Zufriedenheit.
Aus der Sicht von Tyler
Ihre zarten Lippen schmeckten so
wahnsinnig süß, dass ich einfach nicht widerstehen konnte, sie länger als nötig
zu küssen. Wir sind nun wirklich Mann und Frau und obwohl sich nicht viel ändern
würde, könnte ich nun wirklich sagen, dass Ava meine Ehefrau war. Ein tobender
Jubel drang in unsere Ohren. Wir blickten nach dem Kuss zu unseren Gästen und
sahen, wie alle kräftig in die Hände klatschten und uns Glückwünsche zu riefen.
Jetzt gleich würde die nächste kleine Überraschung kommen. Die Überraschung
sollte Carmen mit einer kleinen Fernbedienung aktivieren. 3, 2, 1, Jetzt.
Versteckt in dem Blumentor fiel nun ein Regen voller roter Rosenblüten und ließ
unsere Zeremonie noch ein Tick romantischer werden. Ja, eigentlich war ich ja
nicht so extrem romantisch, aber ich wusste, dass Ava sich eine Traumhochzeit
gewünscht hatte und ich ihr einfach diesen Wunsch erfüllen wollte.
Aus der Sicht von Dwight
Heimlich schlich ich mich in die tobende Menschenmenge und reihte mich unauffällig hinter einer unbekannten Person. Es war so verrückt seine eigenen Eltern bei ihrer Hochzeit zusehen, obwohl ich derzeit noch im Bauch von Ava schlummerte und erst zu einem Baby heranwachsen musste. Getarnt mit einer Brille, um mein wahres ich nicht preiszugeben, suchte ich in der Menschenmenge meine Freundin, die anscheinend zurück in die Vergangenheit gereist war um mich zu suchen. Ja, wahrscheinlich würde sie sich Sorgen machen, doch ich konnte ihr unmöglich mein jetziges ich zeigen. Ich war ein Vampir und konnte einfach den Blutdurst nicht wiederstehen. Der Drang war zu stark und ich verwandelte mich doch tatsächlich in einen fürchterlichen Vampir, der nicht mehr wirklich klar denken konnte. Irgendwie konnte ich letztendlich doch gegen die Vampir-Gene ankommen, doch mussten mehrere Menschen daran glauben. Irgendwie behielt ich doch zum größten Teil die Menschlichkeit, als ich zu ließ, meine Gefühle freien Lauf zu lassen. Plötzlich sah ich in der Menge Sarah Mc Carter, die ich gerufen hatte um meine Eltern zu retten. Hastig eilte ich zu ihr, die sich mitreißen ließ und freute sich für Ava und Tyler, obwohl sie die beiden nicht persönlich kannte. Unbemerkt konnte ich zu ihr hervor treten und stand nun neben ihr. „Du bist Sarah, nicht wahr? Ich war derjenige, der dich gerufen hat.“ Noch bevor sie antworten konnte, zerrte ich sie von ihrem Platz und lief hinter einem Baum…
Aus der Sicht von Sarah Mc Carter (Soul Survivor)
Oh
mein Gott, wer zum Teufel war dieser merkwürdige verrückte Junge? War das wieder
so ein Freak, der irgendwelche unschuldige Mädchen entführte? Nein, er hatte ja
gemeint, dass er mich gerufen hatte und deshalb denke ich, dass es wohl dieser
Junge mit der schwarzen Brille gestern bei mir erschien. „Könntest du mich bitte
loslassen, mein Arm tut langsam weh und ich denke, dass ich morgen an dieser
Stelle blaue Flecken bekomme…“ Der Unbekannte drehte sich zu mir um und hielt
mich dann an der Schulter. Wie von Geisterhand verschwanden wir von diesem Ort
und tauchten in einer fremden Wohnung auf. Total verdunkelt und verstaubt war
die Wohnung. Es schien so, als wäre wochenlang niemand darin gewesen. Der
unbekannte Junge schaltete ein gedämmtes Licht an und ließ etwas Helligkeit in
der Wohnung durchdringen. „Meine Eltern schweben in großer Gefahr und du musst
ihr helfen… Ich würde ihnen ja helfen, aber in Moment geht das nicht. Erstens
muss ich bald wieder in meine Welt und zweitens könnte ich niemals so bei ihnen
auftauchen. Sie würden das alles nicht verstehen.“
Das alles ging mir zu schnell. Wieso wollte er nicht, dass seine Eltern in sehen und wieso wollte er in seine Welt? „Ich verstehe wirklich nur Bahnhof und du solltest mir wirklich langsam erklären, was Sache ist. Woher kennst du mich eigentlich?“ Nachdem ich diese Fragen gestellt hatte, setzte er langsam seine schwarze Sonnenbrille ab und ich konnte meinen Augen nicht glauben, was ich gerade sehen konnte. Seine Augen waren pechschwarz und um seine Augen herum stachen die Adern ungewohnt hervor. Ich bekam es mit der Angst zu tun und rannte vor ihm Weg. Dieser tauchte auf einmal wieder vor mir auf und hielt mich fest. „Bitte habe keine Angst.“ Er veränderte sein Aussehen und war wieder ganz normal. Seine braunen Augen, die eigentlich sehr schön waren, ließen ihn nun in einem anderen Licht erscheinen. Ja, doch er war doch ziemlich süß, obwohl er immer noch sehr besorgt aussah. „Ich habe meine Eltern sterben sehen. Du musst sie vor dem Sensenmann retten, der sie mitnehmen will. Kannst du meinem Vater, Tyler Carrendoor dieses goldene Glöckchen geben? Sag ihm, dass es ein kleines Hochzeitsgeschenk von Dwight ist und es wichtig, dass du es ihm persönlich übergibst.“ Er hielt meine Hand und drückte mir die goldene Glocke in die Hand. Ich hatte ja schon viele merkwürdige Personen gesehen, doch er schien mir wirklich unheimlich. Doch ich konnte es mir nicht erklären, aber ich wusste in diesem Moment, dass er die Wahrheit sagen würde. Er machte sich wirklich Sorgen um seine Eltern, aber ich fragte mich auch, wie die beiden so einen älteren Sohn haben konnte. Schließlich sahen Ava und Tyler noch ziemlich jung aus und er könnte glatt der kleine Bruder von Tyler oder Ava sein. Mit meiner Frage konfrontierte ich Dwight und fand nun heraus, was mit seiner Welt gemeint hatte.
„Ich komme aus der Zukunft. Brooklyn
2028. Frag bitte nicht weshalb ich zurück gekommen bin. Ich will einfach, dass
du meinen Eltern hilfst. Aber nun will ich, dass du wieder zurück auf die
Hochzeit gehst und auf sie aufpasst. Warte bis der Moment kommt, wo sie von dem
schwarzen Mann angegriffen werden und drehe dann die Zeit zurück, wenn du weißt,
wie du sie retten kannst.“
Wieder konnte ich nicht aussprechen und wurde wieder mit Hilfe einer Telekinese
zur Hochzeit gebracht. Mir ging es gar nicht komisch, da mein Magen das wirklich
nicht gewohnt war. War Dwight ein Mensch oder wirklich ein Monster? Wie gesagt,
ich hatte einerseits Angst vor ihm, nicht nur weil er die unvorstellbare
Fähigkeit hatte zu Orben, doch andereseits war in seinem Gesicht zusehen, dass
er jedes Wort was er gesagt hatte, ernst meinte.
„Woher weißt du, dass ich die Zeit
zurück drehen kann?“ „Sagen wir so, es hat mir ein Dämon verraten, der
verhindern möchte, dass meine Eltern sterben. Wir beide sind zwar von Grund auf
verschieden, doch haben wir in diesem Punkt dieselben Ziele.“ Ok langsam wurde
mir alles zu viel und ich merkte, wie mein Puls langsam höher wurde und mein
Herz anfing stärker zu pochen. „Ich danke dir für alles Sarah.“ Mit diesen
Worten verabschiedete er sich wieder. Genauso plötzlich, wie er erschienen war.
Nachdenklich blickte ich in die Menge, die nun auf den Weg waren auf die Jacht
zusteigen... Würde nun die bevorstehende Gefahr eintreten?
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10.3. Bis in die Ewigkeit